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Brief an Frau Antje Blumenthal MdB    

Blumenthal Antje
in Ihrem Newsletter „BerliNachrichten“ vom November 2008 berichten Sie über den Deutschlandbesuch von Maryam Rajavi, der Anführerin der Iranischen Volksmojahedin (PMOI).

Brief an Frau Antje Blumenthal  MdB                 

Köln, den 09.09.2008

Sehr geehrte Frau Blumenthal,

in Ihrem Newsletter „BerliNachrichten“ vom November 2008 berichten Sie über den Deutschlandbesuch von Maryam Rajavi, der Anführerin der Iranischen Volksmojahedin (PMOI).

Frau Rajavi habe sich gegen die Todesstrafe, für eine verbesserte gesellschaftliche Stellung der Frauen und einen demokratischen Wandel durch freie Wahlen im Iran ausgesprochen.

Jedoch sind die POMI eine äußerst umstrittene Organisation.

Bei genauerer Betrachtung wird an mehreren Punkten die Fragwürdigkeit der PMOI und ihrer Führerin Maryam Rajavi offensichtlich.

Zunächst muss man festhalten, dass die PMOI in der Bevölkerung im Iran keine Unterstützung und Befürwortung findet. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie als Söldner Saddam Husseins im Iran-Irak Krieg gegen ihre eigenen Landsleute gekämpft und viele von Ihnen getötet haben. Auch sind bei zahlreichen Attentaten der PMOI gegen iranische Funktionäre auch unschuldige Zivilisten getötet worden.

Durch demokratische und freie Wahlen im Iran hat die PMOI folglich keine Möglichkeit einen Wandel im Iran herbeizuführen oder auf ihn Einfluss zu nehmen.

Zudem ist es fraglich, wie „demokratisch“ die PMOI wirklich ist.

Der Nationale Widerstandsrat Irans (NWRI), der sich selbst gerne als „Zusammenschluss iranischer Exil-Oppositionsgruppen“ bezeichnet, besteht in Wahrheit nur aus der PMOI. Zwar finden sich im NWRI verschiedene Oppositionsgruppen, die aber alle aus Mitgliedern der Volksmojahedin bestehen. Gruppierungen, die nicht die PMOI - Ideologie befolgen sind nicht im NWRI vertreten. Ein Austausch verschiedener Ansichten und Meinungen findet hier nicht statt.

Berichten von Aussteigern der PMOI zufolge werden die Mitglieder intensiv auf die Ideologie eingeschworen. Kritik und Infragestellung sind in der PMOI verboten.

Dies zeigt sich auch deutlich durch die Art und Weise, wie die PMOI mit Aussteigern und Kritikern umgeht:

  • Aussteiger werden unter Druck gesetzt und durch psychische und physische Mittel belästigt.
  • Kritiker werden als „Agenten des iranischen Regimes“ verleumdet
  • Durch gezielte Verbreitung von falschen Informationen in der Nachbarschaft, bei Arbeitgebern und zum Teil auch durch falsche Anzeigen bei der Polizei wird versucht der Ruf von Kritikern und Aussteigern zu schädigen.

(Der Verein AAWA e.V. und einige seiner Mitglieder sind selbst schon Opfer dieser Praktiken geworden!)

Eine Auseinandersetzung mit der Terroristischen Vergangenheit der PMOI findet nicht statt. Einladungen zu Kritischen Gesprächen über die PMOI oder den NWRI lehnen deren Mitglieder stets ab. (Zuletzt am 09.09.08 im Europaparlament auf Einladung der Iran-Delegation[1])

Jede Kritik in der Öffentlichkeit durch Aussteiger, Menschenrechtsorganisationen und auch namhafte Politiker wird als „Propaganda des iranischen Regimes“ abgetan.

Die PMOI weist starke Sektenstrukturen – vergleichbar mit Scientology oder den Zeugen Jehowahs – auf:

  • Die Mitglieder leben in ihrer eigenen Realität und sind völlig abgeschottet von der Außenwelt.
  • Kinder werden von ihren Eltern getrennt, um schon früh indoktriniert zu werden.
  • Der Kontakt zu ihren Familien wird versucht zu verhindern und ist nur unter Aufsicht von PMOI - Führungsmitgliedern möglich.
  • Die Mitglieder werden regelmäßig psychisch und physisch manipuliert und unterwerfen sich dem Anführerehepaar Massoud und Maryam Rajavi.
  • Die Organisation und ihre Anführer stellen das ganze Leben der Mitglieder dar und sie sind auch bereit ihr Leben für die PMOI zu opfern.

(Zuletzt bei den Selbstverbrennungen wegen Maryam Rajavis Festnahme in Frankreich im Sommer 2003)

Viele Menschen, die die PMOI genauer betrachtet haben, mussten erkennen, dass das Bild, was diese Organisation in der Öffentlichkeit präsentiert nicht mit der Realität übereinstimmt.

Auch die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder berichten regelmäßig über die PMOI.[2]

Zudem hat das Bundesamt für Verfassungsschutz eine ausführliche Broschüre über die PMOI/NWRI herausgegeben.[3]

Deswegen hat auch die Gesellschaft für bedrohte Völker, die Frau Rajavi nach Berlin miteingeladen hatte, sich nach genauerer Information über die PMOI, von dieser distanziert.[4]

Ebenso haben verschiedene Politiker, z.B. Claudia Roth (DIE GRÜNEN)[5] und die Mehrzahl der Iran Delegation des Europaparlamentes[6] – trotz heftiger Anfeindungen der PMOI – öffentlich vor der PMOI gewarnt und sich für eine kritische Betrachtung dieser Organisation ausgesprochen.

Ohne Zweifel kommt es im Iran täglich zu schweren Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen von Frauen und religiösen Minderheiten. Auch die immer weiter steigende Zahl der Hinrichtungen ist nicht hinnehmbar. Dies ist aufs schärfste zu verurteilen!

Aber man braucht keine zwielichtige Organisation, wie die PMOI, um dagegen anzugehen und sich für mehr Demokratie und die Achtung der Menschenrechte im Iran einzusetzen.

Bitte informieren Sie sich über die PMOI und überlegen Sie sich gut, wen sie da unterstützen.

Für mehr  Informationen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

AAWA e.V.

Der 1. Vorsitzende

Dipl. Ing. Ali-Akbar Rastgou

 

[1] http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2004_2009/documents/pv/756/756332/756332de.pdf

[2] http://www.verfassungsschutz.bayern.de/imperia/md/content/lfv_internet/service/halbjahresbericht2008.pdf; http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/vsbericht_2007.pdf;

[3] http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/broschuere_5_0811_MEK-Broschuere_neu.pdf

[4] http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=1662

[5] http://www.gruene-bundestag.de/cms/presse/dok/259/259751.antidemokratische_iranische_volksmojahed.html

[6] http://www.angelika-beer.de/index.php?/s,2/o,article,717/